Die Gang der Filmmasochisten

Was sind «richtig schön schlechte Filme»? Die Kultmoviegang feiert ihr zweijähriges Bestehen und zeigt mit «The Room» ein cineastisches Erlebnis der komplett anderen Art.

img_8842

Ronny Kupferschmid und die Mutter aller Trash-Filme: Plan 9 from outer Space

«Wir machen dieses Wochenende einen Filmmarathon. Das heisst, wir schauen bei mir zu Hause 36 Stunden lang richtig schön schlechte Filme.» Willkommen in der Welt von Ronny Kupferschmid, seines Zeichens Cineast mit Vorliebe für filmische Erzeugnisse zweifelhafter Qualität. Er sei ein Kind der Neunzigerjahre und habe schon damals eine Unmenge schlechter Filme auf VHS-Kassetten geschaut. Die Liebe zum Schund sei geblieben, weswegen der 39-jährige mit Gleichgesinnten die Kultmoviegang ins Leben gerufen hat, ein Kollektiv von Filmliebhabern mit Affinität zu Trash- und B-Movies.

Ganzer Beitrag online lesen
Radiobericht über die Kultmoviegang im KultuRadar auf Radio Bern RaBe

KultuRadar #38

In der 38. Ausgabe des KultuRadars spricht die musikalische Wundertüte Pierre Omer über sein neues Swing-Album, Bubi Rufener, der Frontmann der Berner Mundart-Truppe Bubi Eifach, zeigt sich von einer anderen Seite und Fotografin Karin Scheidegger gibt Auskunft über 12 Jahre Pixmix in der Dampfzentrale. Mit Charles Nguela im Theater am Käfigturm, Orgel-Pop-Wunschkonzert in der Heiliggeistkirche und Quer-Rapperin Jennifer Gegenläufer im Frauenraum.

Vom Teebringer zum Krautrocker

Der Trip-Hop-Übervater Geoff Barrow ist kein Mann der grossen Worte, sondern frönt mit seiner Band Beak lieber dem psychedelischen Prog-Rock.

Nein, er wolle nicht. Die Interview-Anfrage lehnt er rundheraus ab, der englische Produzent und Musiker Geoff Barrow, obwohl die Journalistin sogar versuchte, durch die Hintertüre eine verbale Audienz zu erschleichen und dafür Freunde aus dem Umfeld des Engländers nötigte, einen Kontakt herzustellen.

Eigentlich müsste Barrow doch daran interessiert sein, die Berner Presse zu bedienen, würde man meinen. Schliesslich ist eine seiner neusten Label-Errungenschaften hier ansässig, bringt Barrow doch in ein paar Monaten Mario Batkovics Akkordeon-Album «Quatere» auf seinem Label heraus. Und schliesslich kommt der Schlagzeuger und Sänger bald mit seiner eigenen Band Beak auf Besuch.

Ganzer Beitrag lesen: online

KultuRadar #37

In der 37. Ausgabe des KultuRadars spricht der musikalische Leiter der Dampfzentrale Roger Ziegler über die 9. Ausgabe des Festivals Saint Ghetto und die gerade mal 21-jährige Naomi Frei teilt ihre Erfahrungen als Theaterregisseurin des Stücks «Würdest du sie dann lesen?». Mit Simon Ho und Michael Fehr in der Heiteren Fahne, Melker in der Piazza Bar, Peaches im Dachstock, Autorin Judith Hermann im Stauffacher und Frutti die Mare in der Spinnerei.

Lebensgeschichten

Zu recht dürfen Sie die Frage stellen, was die olle Feuz gestern im Kunst- und Kulturhaus visavis zu suchen hatte, denn dieses richtet sich explizit an die junge Generation. Der schmucke Altstadt-Keller steht 0-30jährigen als mehrspartige Produktions-, Probe- und Aufführstätte zur Verfügung. Das heisst, dass im visavis zum Beispiel Musikaufnahmen gemacht oder Tanz- und Theaterproduktionen eingeübt und aufgeführt werden könnten, erklärt Vereinspräsidentin Carol Rosa. Ausserdem verfüge das visavis über eine sogenanntes Programmlabor, welchem 20 Kulturschaffende aus allen Sparten und in jedem Alter angehörten. So könnten Laien mit Profis an Projekten tüfteln und von deren Erfahrung profitieren, sagt Rosa.

fullsizerender-2

Lucien: Mit gerade mal 8 Jahren in einer Zwischenwelt voller Lebensgeschichten hängen geblieben (Bühne: Timon Andeer und Christof Bühler)

Gestern Abend stand die Generalprobe genau eines solchen Projektes an: «Würdest du sie dann lesen?» ist das erste Theaterstück von Naomi Frei, welches in Zusammenarbeit mit der Jungen Theaterfabrik enstanden ist. Gerade mal 18-jährig schrieb Frei ihr Bühnenstück, welches Fragen rund um den Tod verhandelt. Sie sei selber mit einem Todesfall einer nahestehenden Person konfrontiert worden und hätte eine Unmenge an Fragen gehabt, sagt Frei. Die Fragen seien auch nach der Niederschrift des Stückes geblieben, aber immerhin habe ihr die Arbeit doch einen Weg aufgezeigt, mit dem Erlebten einigermassen umgehen zu können. Und ganz nebenbei hat Frei mit «Würdest du sie dann lesen?» auch ein durchaus sehenswertes Theater geschafffen, das dank schmucken Einfällen und schauspielerischen Einzelleistungen Freude bereitet.

Continue reading

Tanzen mit den Toden

Wie gehen sie um mit Todesmeldungen, werte KSB-Leserschaft? Ich bin ehrlich: Ich tu mich saumässig schwer mit dem ollen Sensemann. Vielleicht hat es damit zu tun, dass der Tod in unserem Alltag nicht mehr existiert. Klar doch, im Tatort sieht man ab und an eine Leiche auf dem Seziertisch, aber wann haben Sie zuletzt in Realität sterbliche Reste gesehen? Wir versuchen so gut als möglich den Tod zu verdrängen, Leichenwagen kommen nur noch nachts, Verblichene werden auf dem Totenbett drapiert und zurechtgepimpt, damit alle Anzeichen von Zerfall nicht mehr sichtbar sind. Genau da liegt doch aber die Krux, nicht? Den Schrecken werden wir dem Senseman nicht nehmen können. Nie. Aber zumindest kann man den grimmen Genossen ins gleissende Tageslicht bzw. aufs Tanzparkett zerren und ihn so zu einem Teil des Lebens machen. Damit würde er vielleicht auch ein ganz klein wenig weniger unsäglich, denn schliesslich ist der Tod ja auch nur allzu menschlich. Keiner beschreibt dies treffender als Balts Nill:

totentanz1Die Tode
«Es gibt so viele Tode wie Lebende. Deiner geht neben dir her, er zählt jeden deiner Schritte und liest deine Gedanken, nachts wacht er neben dir und merkt sich deine Träume. Er hat ein Riesengedächtnis, und in deiner letzen Sekunde spielt er dir dein Leben als Film ab. Aber vielleicht hast du auch einen ganz anderen Tod neben dir, einen vergesslichen Tod, der verliert dich eines Tages aus den Augen, und wenn du alt bist und gehen möchtest, lässt er dich warten, und du rufst nach ihm, aber er hat dich schlicht vergessen. Vielleicht hat er einen anderen getroffen, eine Verwechslung. Oder du hast Glück, und ein musikalischer Tod begleitet dich, wenn du auf dem letzten Loch pfeifst, ein zweistimmiges Requiem, für dich allein, aber vielleicht hast du einen dummen Tod neben dir, der dich vor ein Auto laufen lässt, während dir in den Sinn kommt, dass du vorhin deine Cumulus-Karte hast liegenlassen, ….

Continue reading

KultuRadar #36

In der 36. Ausgabe des KultuRadars spricht der Grafiker und Illustrator Jared Muralt über seinen zeitgenössischen Totentanz in Leporello-Form, in der Schreibmaschinenwerkstatt kommen Menschen unterschiedlichster Nationen zusammen, um ihre Lebensgeschichten auszutauschen und Michael Spahr hält einen persönlichen Nachruf auf Sandro Wiedmer, der über 20 Jahre das Konzertgeschehen in der Berner Reitschule mitgeprägt hat. Mit The Strapones, «Tears of the Black Tiger» im Kino Reitschule, «Mapplethorpe Look at the Pictures» im Kino Rex, Chubby Buddy im Les Amis und der neuen EP von Open Season.

Fuckin’ biblical, man!

Wie ein Ferrari sei ihre Band gewesen: Das schnellste und heisseste Geschoss überhaupt. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass man mit so was irgendwann frontal in eine Wand brettere, sei eben gross, sagt Noel Gallagher. Er wird’s wissen, denn in die Wand gebrettert ist er mit seinen Oasis tatsächlich. Und zwar mit Vollgas. Der englische Filmemacher Mat Whitecross («Amy», «The Road to Guantanamo», «Sex & Drugs & Rock & Roll») legt mit «Supersonic» eine Dokumentation vor, welche den kometenhaften Aufstieg der Rüpel-Truppe aus Manchester zeigt. Durch Zufall waren die beiden Brüder Noel und Liam Gallagher, Tony McCarroll, Paul «Guigsy» McGuigan und Paul «Bonehead» Arthurs 1993 in Glasgow von Allan McGee entdeckt worden – drei Jahre später spielten sie vor 250’000 (!) Leuten in Knebworth, wobei 4% der britischen Bevölkerung, also 2.6 Millionen Menschen, sich für Tickets beworben hatten. Damit beginnt und endet «Supersonic», der wenig ruhmhafte Abstieg und die definitive Auflösung der Band vor sieben Jahren sind in Whitecross’ Film kein Thema. Macht nichts. Wie katastrophal selbstzerstörerisch das Ferarri-Modell Oasis war, wird auch so klar.

«Supersonic» ist eine kurzweilige Dokumentation, die viele frühe, grobkörnige Konzert- oder Top-of-the-Pops-Aufnahmen und On-The-Road-Bilder beinhaltet. Abwechslungsweise kommen die Bandmitglieder zu Worte, wobei Noel und Liam am meisten zum Zuge kommen. Der Bruderzwist der beiden Brüder Gallagher, die sich auch mal mit einem Cricket-Schläger auf den Kopf hauen, ist omnipräsent, wird von den beiden Streithälsen aber wohltuend selbstironisch kommentiert.

Beitrag weiterlesen: Continue reading