Fehr im SURPRISE

surprise«Ich mache gerne die Wohnungstüre zu»

Der Berner Schriftsteller Michael Fehr musste erst scheitern, um auf Umwegen zur Literatur zu finden.

«Ich mag es, wenn alles klar, berechenbar und schön ordentlich aufgeräumt ist», sagt Michael Fehr. «Draussen ist das ja leider nie so, und deswegen mache ich sehr gerne die Wohnungstüre zu. Zumindest dann, wenn ich in der Wohnung drin bin», sagt er und lacht. In der Behausung des 35-jährigen Berner Schriftstellers ist alles an seinem Platz. Allerdings gibt es auch nicht viel, was in Unordnung geraten könnte. Fehr mag es spartanisch. Das lässt sich wohl damit begründen, dass er an juveniler Makuladegeneration, also an einer angeborenen Sehbehinderung leidet, und beinahe blind ist. Zwecks Orientierung ist Ordnung zentral. Die prunklose Kargheit der Wohnung widerspiegelt aber auch den Charakterzug eines Mannes, der sich selber lange mit grosser Strenge und Disziplin begegnet ist.

Das ganze Porträt über Michael Fehr findet sich in der aktuelle Ausgaben 396 von Surprise jetzt beim Strassenhändler deines Vertrauens.

Ein unglaublich lustiger Seich

Blöffer Flyer 2017-2Möchten sie mal wieder so richtig von Herzen lachen? Dann schauen Sie diese Tage bei Summerhalders in der guten Stube bzw. in der Heiteren Fahne vorbei, denn «Dr Blöffer» ist dort zu Gast. In diesem Schwank in zwei Akten, welcher der Feder des Malers, Musikers und Geschichtenerzählers Timmermahn entsprungen ist, wird dermassen genüsslich geunsinnt, mit Plattitüden und klingenden Mundart-Ausdrücken um sich geworfen, gestritten, geblöfft und kalauert, dass es eine wahre Freude ist.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der stotzrammlige Möchtegern-Macho Blöffer (Dominique Jann), der gerne Dächlikappe auf der Rübe und Fuchsschwanz am Gürtel trägt, verstaucht sich einen Finger. Die Verarztung übernimmt einerseits seine Frau Muriel (Marie Omlin), andererseits das Ehepaar Summerhalder (Jonathan Loosli und Sonja Riesen), wobei Ursula Stäubli als Sohn Walterli den besten Schulaufsatz ever vorliest. Giulin Stäubli schlüpft derweilen in diverse Rollen, kassiert als Ostschweizer Ledermann ein paar zünftige Chläpf a Gring oder verleibt sich als Pfarrer Mosima eine ordentliche Ladung Schädelspalter-Schnaps ein.

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Death By Chocolate

Die Musik im Allgemeinen und die Rockmusik im Speziellen ist ein hartes Pflaster, schweizweit gibt es nur ein paar wenige Glückliche, die auch wirklich von der Rockmusik leben können. Eine traurige Konsequenz davon ist, dass viele Bands so lange an ihren musikalischen Ecken und Kanten schleifen, bis nur noch ein weichgespülter Einheitsbrei übrig bleibt. Eine Balance zu finden zwischen geldeinbringender Massentauglichkeit und künstlerisch spannender Sperrigkeit ist schwer.
Die Bieler Band Death By Chocolate wagt diesen Spagat und stellt sich dabei gar nicht mal so ungeschickt an. Morgen Freitag taufen Death By Chocolate im Dachstock ihr drittes Album «Crooked For You», für welches US-Produzent Vance Powell ins Boot geholt wurde. Frau Feuz hat sich mit Sänger Mathias Schenk unterhalten, herausgekommen ist der Artikel «Wir waren eine einzige Zumutung» (Der Bund vom 15.8.17) und das hier:

Melker Not Porno

melker11Die Ausgangslage ist eine heikle: da ist dieser subversive Tunichtgut mit Jahrgang 1898, der mit seiner Trash-Combo Mani Porno für erinnerungswürdige bierselige Auftritte bestschlechtmöglichster Natur sorgte. Oder besagte Auftritte gar nicht erst antrat, weil ein Bandmitglied sich vor dem Konzert dermassen intensiv mit Rauch-Paraphernalia vergnügt hatte, dass es schlichtweg vergass, dass es noch ein Konzert zu spielen gäbe und nach Hause ging. So zumindest die Urban Legend. Jedenfalls hat sich dieser Tunichtgut nun also mit richtig guten Musikern zum Quartett Melker zusammengetan und frönt nicht mehr dem Lo-Fi-Gitarren-Trash, sondern dem Synthie-Pop und New Wave der 80er-Jahre. Herr Porno, pardon, Gaviões so richtig seriös? Kann das gut gehen?

Anfänglich bangte man ja bei der Plattenaufe von Melker am Freitag im ISC. Nicht wegen der Musiker, die verrichteten vom ersten Ton an einen einwandfreien Job. Fred Bürki amtete als Metronom am Schlagzeug, Marco Loso bediente Gitarre und Bass, derweilen Oli Kuster mit seinem Synthesizer musikalische Nebelschwaden fabrizierte. Und der Herr Gaviões? Der schludderte in Sonnenbrille, USA-Hockeyshirt und Steppjacke über die Bühne und schien irgendwie ein Cornerfähnli im Allerwertesten zu haben. Es half dann auch nicht, dass seine Stimme anfänglich komplett in den Synthiewänden absoff und die Texte so nur Genuschel blieben.

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Veloquiz mit Les Trois Suisses

««Mir si mit em Velo da» oder besser gesagt: mit dem Tandem, trifft voll und ganz auf das neue Programm des Musik-Comedy-Duos Les Trois Suisses zu, denn dieses heisst denn auch gleich «Tandem».
Les Trois Suisses sind die beiden Herren Pascal Dussex und Resli Burri und genau dieser Resli Burri hat im grossen Rabe-Quiz rund ums Thema Velo erkennen lassen, dass er nicht nur ein passionierter Hobby-Pedaleur ist, sondern sich auch sonst bestens auskennt in der Welt von Speichen, engen Dress und Bergetappen.

Michael Fehr im Porträt

Er wird als Ausnahmeautor bezeichnet, der die Grenzen des gängigen Literaturbegriffs sprengt. Vom Kanton Bern wurde er bereits zweimal mit dem Literaturpreis ausgezeichnet, darüber hinaus räumte er beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb den 2. Preis ab. Die Rede ist vom Berner Autor Michael Fehr, einem Schriftsteller der nicht schreibt, sondern spricht, denn Michael Fehr ist fast blind. Am Freitag erscheint Fehrs viertes Buch «Glanz und Schatten». Frau Feuz hat den Berner Autor für Radio RaBe porträtiert.

Nicht nur Gekleckse

abendscheinEtwas salopp formuliert könnte man sagen: Hartmut Abenschein hat während zweier Jahre jeden Tag gekleckert. Auf einer selber konzipierten Druckmaschine fabrizierte der 47-jährige Schriftsteller nämlich täglich einen Klappdruck, indem er schwarze Tinte auf eine Endlosrolle Papier goss und den Abschnitt zusammenfaltete. So entstand eine Reihe mit Flecken, die Abenschein «my daily rorschach» taufte.

Während der Produktion sei ihm aufgefallen, dass die Struktur dieser Flecke derjenigen von geschriebener Sprache ähneln würde, sagt Abenschein. Diese strukturelle Analogie veranlasste ihn dazu, in einem zweiten Arbeitsschritt seine Klecksbilder mit Notizen, Phrasen, Beobachtungen und Reflexionen zu paaren, welche sich im Verlauf der Jahre in seiner Schublade angesammelt hatten. Diese Gegenüberstellung von Texten und Klecksen ist nun unter dem Titel «nicht begonnenes fortsetzen» erschienen, wobei das Büchlein so aufgebaut ist, dass sich auf der rechten Buchseite die Tiere, Geister und Flugzeuge, oder was auch immer man in den Faltbildern zu erkennen glaubt, abgedruckt sind, während auf der linken Seite mit Texteinheiten die gleiche Form imitiert wird.

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Spoken Word Remixed

Die Berner Autorin Ariane von Graffenried und der Walliser Schrifsteller Rolf Hermann sind beides Vertreter der Spoken Word Szene – eine Szene, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. Soeben sind ihre beiden neuen Bücher «Das Leben ist ein Steilhang» beziehungsweise «Babylon Park» erschienen.
Frau Feuz hat Ariane von Graffenried und Rolf Hermann zum Radiointerview gebeten, wo die beiden etwas taten, was normalerweise nur DJs tun: Sie remixten gegenseitig ihre Texte.

Albtraum auf der Alp

Einmal ein paar Monate auf der Alp, eine Auszeit nehmen, umgeben von gigantischen Bergkulissen, viel frischer Luft, ehrliche Arbeit, die man den Händen verrichtet, Milch frisch ab Kuh, ein Leben im Einklang mit der Natur. Ungefähr das ist die verklärte Vorstellung viele StädterInnen über das Leben auf einer Alp.
Dass das Leben abseits der Zivilisation aber kein Zuckerschlecken ist, sondern vielmehr enorm schwerere körperliche Arbeit mit vielen Entbehrungen beinhaltet und dass sich der Traum der Alp gar in einen wahren Albtraum verwandeln kann, das zeigt der neue Film «Alptraum» von Manuel Lobmaier.

Ritter des metallenen Ordens

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein junger Prinz namens Frederyk. Frederyk lebte im hohen Norden (Basel), wo die Nächte lang und die Gemüter finster sind. Auch Frederyks Gemüt war finster. Sein ganzes Leben hatte er als Gefangener im hohen Turm seiner bösen Schwiegermutter Roche verbringen müssen, weil diese eifersüchtig auf Frederyks goldenes, wallendes Haupthaar war. Roche selber hatte nämlich nur Pilze auf dem Kopf. Dafür leuchteten diese.

Eines Tages ritt ein Trupp fescher Ritter an Frederyks Gefängnis vorbei. «Ja wer seid denn ihr? Seid ihr etwa Grillen?» rief Frederyk aus dem Fenster, denn sein Turm war so hoch, dass die feschen Ritter von oben klein wie Insekten aussahen. «Ich bin euer Zar», schrie Frederyk weiter, er, der aufgrund seiner menschenfernen Erziehung wenig Ahnung von Anstand, geschweige denn von politischen Ämtern hatte, dafür aber für sein Leben gerne schrie. «Nein, wir sind Ritter des metallenen Ordens. Wir sind auf dem Weg zum militärischen Stützpunkt, wo wir am Palmsonntag musizieren wollen. Im Volksmunde werden wir deswegen Palmer genannt», antwortete die Viererschaft. Da ging dem jungen Frederyk das Herz auf. Musizieren! Welch wundersamer Klang dieses Wort schon nur hatte. «Zatokrev aber auch, nehmt mich mit!», schrie er und liess schnell seine wallendes blondes Haupthaar herab. Da erbarmten sich die Ritter dem jungen Frederyk, befreiten ihn aus seinem Turm, nahmen ihn in ihre Gesellschaft auf und nannten ihn fortan liebevoll Zar der Grillen.

Das Märchen geht hier weiter: Continue reading