Surprise verkaufen: Ein richtig harter Job

Frau Feuz hat während zwei Stunden das Strassenmagazin Surprise verkauft und weiss seitdem: Wer diesen Job macht, hat ein Lächeln verdient und nicht schräge Blicke. Ich habe  an der Aktion «Vendor Week», «Verkäuferwoche», teilgenommen, mit welcher Strassenzeitungen weltweit die Aufmerksamkeit auf ihre Verkäuferinnen und Verkäufer lenken, indem sie sie die Rollen tauschen lassen. Das heisst: Für einmal verkaufen Leserinnen und Leser das Magazin. Zum Erfahrungsbericht in schriftlicher Form geht’s hier und der Beitrag im KultuRadar auf RaBe 95,6MHz kann hier nachgehört werden.

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«Das macht dann sechs Franken, bitte.» Bild: Adrian Moser

«Tu uns den Gefallen und stirb!»

Bildschirmfoto 2016-02-04 um 16.08.27Wüste Schimpfwörter, ­Mobbing und Tote: Im Krimi «Der Chat» thematisieren Vater und Tochter Gregor und Mirjam Klaus Abgründe in sozialen Netzwerken.

Das Vorwort von «Der Chat» ist kein Vorwort, sondern eine Warnung. Und die ist in der Tat vonnöten, denn die Anhäufung an wüsten und schockierenden Schimpfwörtern, derben Beleidigungen, rassistischen Verunglimpfungen und Fäkalausdrücken im Roman sind happige Lesekost. Dabei hat das Vater-Tochter-Autoren-Gespann Gregor und Mirjam Klaus mit seinem Krimi «Der Chat» nicht etwa unnötige Provokation im Sinn, sondern bildet vielmehr ab, wie sich Millionen von Jugendlichen tagtäglich in sozialen Medien unterhalten.

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KultuRadar auf RaBe 95,6MHz

Frau Feuz hat einen neuen Job und ist ab sofort als Kulturredaktorin für RaBe 95,6MHz im Dienst! FREUDE HERRSCHT! KultuRadar ist jeden Donnerstag um 11:30Uhr (Wiederholung 18Uhr) zu hören. Ziel der Sendung ist es, das kulturelle Geschehen in Bern in seiner ganzen Vielfalt abzubilden.

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Wie es überhaupt zu dieser neuen Sendung gekommen ist, erklärt Michael Spahr im Interview mit «Der Bund».

Ein neuer Job heisst auch, dass ein alter dran glauben muss, zumal Frau Feuz ja insgesamt in etwa 37 Projekten involviert ist. Nummer 38 bringt nun das Arbeits-Fass zum Überlaufen, weswegen ich auf Ende Februar die KulturStattBern-Feder niederlegen werde. Acht Jahre lang habe ich mit viel Herzblut für das Online-Blog von «Der Bund» im Schnitt zwei Beiträge pro Woche geschrieben, summa summarum also an die 850 Texte verfasst. Der Print-Ausgabe von «Der Bund» werde ich,  so Chuck Norris und Chefredaktor wollen, als freie Journalistin weiterhin erhalten bleiben.

Fachkundiges Zugrunderichten

Bei Filmdrehs in Finnland gibt es die Tradition, dass bei jeder 100. Klappe eine Runde Schnaps getrunken wird. Ja, auch wenn es 9 Uhr morgens ist. Das erstaunt an und für sich noch nicht, denn dass die schweigsamen Nordlichter Feuerwasser nicht abgeneigt sind, weiss jedes Kind. Zumindest jedes vernünftige Kind. Was allerdings erstaunt – oder dann auch wieder nicht, sind ja Finnen – ist die Tatsache, dass bei dieser Tradition darauf bestanden wird, den übelstmöglichen Fusel überhaupt zu trinken: Jaloviina oder kurz Jallu, was übersetzt so viel heisst wie «nobler Likör». Ahahaa, guter Scherz.

Jallu ist eine Mischung aus schlechtem französischen Cognac und Wodka, die es ursprünglich in drei Qualitätsgraden gab: 1-Stern, 2-Stern und 3-Stern, wobei der Grad der Trinkbarkeit analog der Sterne abnimmt und man beim Konsum von 1-Stern-Jallu nicht nur um sein Augenlicht, sondern auch um sämtliche Zungen-Nerven fürchten muss. Von Hirnzellen und Verstand reden wir gar nicht erst.

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Wer in der Kreativ-Abteilung etwas auf sich hält, trinkt die 1-Stern-Variante.

Die Legende besagt, dass die Jallo-Fabrikanten vor ein paar Jahren die Produktion der niederqualitätigen 1-Stern- und 2-Stern-Variante einstellen wollten.
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Einen Tequila auf den Tod

Die Happy End Company lädt im Schlachthaus-Theater mit «Days of the Dead» zur Totenzeremonie und verquickt dabei Mythen und theologische Versatzstücke zu einer schrillen, multidisziplinären Performance.

«Wir haben das gleiche Schicksal wie eine Möhre. Wir wissen nur nicht, von wem wir verdaut werden», sagt Annika Meier und schnippelt dabei burschikos eine Rübe in Stücke. Ein derart salopper Umgang mit der Sterblichkeit ist in unserer Gesellschaft ungewohnt, wird doch alles, was mit Lebensabend und Tod zusammenhängt, gerne verdrängt. Genau diesen Gevatter Tod aber nimmt sich das Künstlerkollektiv Happy End Company in «Days of the Dead» zur Brust. Inspiriert durch den mexikanischen Feiertag Día de Muertos, bei welchem tanzend, trinkend und farbenfroh der Toten gedacht wird, zeigen die Spielenden eine multidisziplinäre Performance, die Tod, Jenseitsvorstellungen, kulturelle Riten und Mythen, aber auch den ganz persönlichen Umgang mit Sterblichkeit aufs Korn nimmt.

Bild: Yoshiko Kusano

«Goodbye Lovers and Friends», singt Noemi Steffen draussen vor dem Schlachthaus-Theater in klirrender Kälte zum Auftakt der Theater-Odyssee und erklärt weiter, dass sie ihrer aufgebahrten Grossmama heimlich Geld zugesteckt habe für die Reise über den Styx.
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Oi, ihr Popper, schlegle?!

Und? Haben Sie sich wieder versöhnt? Jetzt tun Sie nicht so, Sie wissen doch genau, was ich meine. Feiertage. Familie und so. Oder gehören Sie und Ihre Sippe tatsächlich zu den 0,1 Prozent, welche Familienzusammenkünfte ohne Zettermordio, blaues Auge und blutige Nase überstehen? Wie langweilig.

Den Berner Indie-Pop-Epikern Pablo Polar ist es ja im 2015 ganz prima ergangen. Album #3 namens «Colorize» war nicht nur in der Schweizer Hitparade in den Top 20 anzutreffen, sondern wurde auch im polnischen Radio rauf und runter gespielt. Warum Polen? Was weiss ich?! Was «schlechte Recherche»? Ey, pöbeln? Eins auf die Schnauze? Aufpassen, weil die Feuz ist definitiv noch im Familienzusammenkunft-Massenschlägerei-Modus. Pablo Polar offensichtlich auch. Ich schau glaub’s bei denen mal im Übungsraum vorbei. Oi, ihr Popper, schlegle?!

«Family History», das etwas andere Familienfest in den 20er-Jahren, ist der zweite Videoclip (Umsetzung Fabrice Rossel) von Pablo Polars «Colorize». Zu sehen sind die Herren am 23.01. in der Grabenhalle St. Gallen, am 11.03. im Werkk Baden, am 12.03. im Improvisorium Huttwil und am 27.05. im Westside Bern.

«Kill your friends»

Mojo, stardust, happy dust, nose candy, joy powder – wenn der Artists & Repertoire-Mitarbeiter eines Londoner Musiklabels Steven Stelfox (Nicholas Hoult) nervös wird, zählt er innerlich alle Synoyme für Koks auf, die er kennt. Das sind so einige, was wiederum einiges über Stelfox aussagt. Dieser interessiert sich nämlich einen Dreck für seine eigentliche Arbeit, das Entdecken und Promoten von Bands, sondern frönt lieber dem puren, deliriösen Hedonismus.

Wir befinden uns im England der 90er-Jahre, also in der Cool-Britannia-Ära am Höhepunkt der Britpop-Welle, als der Musikmarkt noch richtig blühte, Labels 100’000 Pfund Vorschuss für eine Single zahlten und A&R Directors gottgleichen Status hatten. Den beansprucht auch der aalglatte Stelfox für sich, der nicht nur Allmachtsphantasien hegt und ständig randvoll mit irgendwelchen Drogen ist, sondern auch skrupellos seine Freunde umlegt, wenn ihm diese in seine Karrierenplanung reinfunken.
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Zur Strafe CSI Miami

«Hasta La Vista» hätte Frau Feuz ja noch zuordnen können. Kam aber nicht. «We need a bigger boat» beschwor in den grauen Hirnzellen gerade noch ein schwaches Bild von einem sehr grossen, sehr gefährlichen Fisch herauf, «Chrieg», «Unser Garten Eden» und «Wintergast» hat man ja zum Glück vor noch nicht allzulanger Zeit selber gesehen, dass Goldie Hawn seit Jahrzehnten mit Kurt Russell liiert ist, stand mal irgendwo in einem Gala, das in der Sauna rumlag, und dass K.I.T.T. ein Pontiac Firebird ist, hat einem damals der grosse Bruder mit glänzenden Augen mehr als ausgiebig erklärt.

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Dann war dann aber auch schon bald mal Feierabend im den feuzschen Wissen gestern Abend beim grossen Filmquiz im Kino Rex. Ja ich schäme mich. Andererseits waren die Fragen denn auch nicht unbedingt auf ein durchschnittliches Kinogänger-Publikum ausgerichtet, sondern eher für die Nerd-Abteilung. Damit trotzdem einigermassen Chancengleichheit herrschte, mussten «Professionelle» (etwa Kinobetreiber, die extra aus Züri angereist waren oder Filmwissenschaftler) mit einem Handicap von 10 Punkten starten. Wer beim Googeln erwischt wurde, dem drohte eine Strafe in Form von drei Folgen CSI Miami.

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Bizarres Musikgenre Teil 23: Peschmerga-RnB

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Peschmerga-R&B.

Während Deutschland der kurdischen Peschmerga mit Flugzeugen zur Seite steht, tut dies eine Dame namens Helly Luv mit ihren ganz eigenen Waffen. Die 26-Jährige hat ihre Kindheit in einem Flüchtlingscamp verbracht, bevor sie nach Finnland gelangte. Heute lebt Helly Luv in den USA, hat zwei Löwen als Haustiere, im Garten einen Panzer stehen, auf Twitter über 100’000 Follower und ist in der autonomen Region Kurdistan im Irak eine Berühmtheit. Und ganz nebenbei hat der IS ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Warum? Weil sie mit ihrem kriegsverkitschendem Hochglanz-R&B zum Postergirl der Peschmerga geworden ist, nicht zuletzt weil sie in ihren Songs Durchhalte- und Agitationsparolen an die Kämpfer richtet.

Mut hat sie, das muss man Frau Luv lassen. So hat sie das Video zu «Risk it all», in dem sie leicht bekleidet und mit Molotowcocktail bewaffnet auftritt – in anderen Videos sind es auch mal Panzerfaust und goldener Patronengürtel – in unmittelbarer Nähe eines Kampfgebietes aufgenommen. Es gehe ihr aber nicht bloss um Provokation, liess Helly Luv, die mit bürgerlichem Namen Helan Abdullah heisst, verlauten, sondern sie wolle mit ihrer Musik klar machen, wer die Guten und wer die Schlechten seien. Wenn doch Politik bloss auch so einfach wäre.