«Laa se la mache, die Gglöön»

wösa coverDer älteste Slam Poet der Schweiz rückt dem Berndeutschen zu Leibe: Hans Jürg Zingg bildet in seiner Mundart-Lyrik verschiedenste Facetten des Lebens ab und sinniert dabei über den Sprachgebrauch.

«Widerspänschtigi Vycher», die sich nicht zähmen lassen wollen, so beschreibt Autor und Kabarettist Hans Jürg Zingg die Materie seines Buches «My Wörtersack». Lebendig und schnell wie der Teufel seien Wörter, erklärt Zingg weiter, einsperren und damit konservieren könne man sie nicht, entsprechend solle man sie am besten einfach machen lassen, «die Gglöön.» Kurz und bündig bringt der im Emmental beheimatetet Zingg hier Wesen und Natur von Sprache auf den Punkt und erklärt weiter, dass die widerspenstigen Viecher auch kein Schamgefühl hätten, sondern vielmehr Werkzeug seien, um dem Menschen für all seine Facetten – «Hiirni, Mage, Häärz, Hut, Haar u Hode» – einen Ausdruck zu ermöglichen. In seiner Sprach-Wundertüte versammelt der ehemalige Gymnasiallehrer denn auch Dialektgedichte, die sämtliche Alterszyklen und Bereiche des Lebens abdecken. So wird vom Bub berichtet, der auf dem Schulweg «es Mickymous ggänggelet» für 90 Rappen und beim «Dökterle» erste Erfahrungen macht mit «Füdleupyggerzeige» bis hin zu Demenz und Lebensmüdigkeit im Alter, etwa wenn die alte Frau erklärt: «I huuf de öppe Flügeli fasse».
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Das düstere Universum des HR Giger

Mitten im pulsierenden Zürich-Oerlikon steht es, dieses Haus von Hansruedi «HR» Giger, dem Schöpfer zahlreicher düsterer Bilder, Visionen, Zeichnungen und Skulpturen. Auf seine ganz eigentümliche Weise ist Gigers Wohnsitz eine Art Oase, wenn auch eine Oase der etwas andern Art. Vom Keller bis unters Dach vollgestopft mit Büchern, Möbeln, Skulpturen, Kunstwerken, Arbeitsmaterialen, Schädeln und sonst allerlei düsterem Krimskrams, vom Sonnenlicht abgeschirmt und ausgestattet mit einer hauseigenen Mini-Geisterbahn bleibt kaum ein Zentimeter frei in diesem dämmrigen und gespenstischen Wohnuniversum. Gigers Haus ist denn auch zentral in Belinda Sallins Dokumentarfilm «Dark Star – HR Gigers Welt», in welchem die Zürcherin ein sensibles Portrait über das Leben und Wirken von HR Giger entwirft. Kurz nach den Dreharbeiten verunglückte dieser in seinem eigenen Haus und schied im April diesen Jahres im Alter von 74 Jahren aus dem Leben.

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Faultier-Modus

Werte Video-Gemeinde, wer wieder einmal gerade am Däumchendrehen ist im Büro und nicht weiss, wie die restlichen Stunden bis 17 Uhr über die Runden gebracht werden sollen, der möge doch einfach in den Faultier-Modus schalten, dann vergeht die Zeit schneller. Play Patrik alias Mundart-Popper Patrick Zeller machts in seinem neuen Low-Budget-Video (Steven Götz) vor. Zeller segelt darin zu seinem Kerzenschmelzer, Samenlöser, Stehtanz-Blues (oder wie auch immer Sie Balladen normalerweise bezeichnen) «I chume immer z’spät» in Ultra-Slow-Motion mehr oder weniger graziös quer durch die Küche. Es fehle ihm an Vitalität, erklärt er dabei, an blauen Flecken dürfte es dem flugtüchtigen Musikanten nach dem Videodreh allerdings nicht gemangelt haben. Adilettenshow und Nasenlochintrospektive ab:

Bizarre Musikgenres Teil 17: Japanoise

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Japanoise

Japanoise ist ein sogenanntes Kofferwort, auch Portmanteau-Wort genannt, also ein Kunstwort, das aus mindestens zwei überlappenden Wörtern besteht, die so zu einem inhaltlich neuen Begriff verschmolzen werden; in diesem Fall Japanese und Noise. Japanoise steht für Bands der japanischen Noise-Szene, die Klänge produzieren, welche für ungeübte Ohren nach hausgemachtem Durcheinander ohne logische Struktur und Zweck klingen. Liebhaber sperriger Materie allerdings dürfte an dem abenteuerlichen Mix aus Psychedelic-Rock, surrealistisch anmutenden Einschüben und Avantgarde-Jazz ihre wahre Freude haben.

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Performance-Art: Bone 17

BONE 17 - Bone PerformanceDas Berner Performance Art Festival Bone ist zum Treffpunkt der nationalen und internationalen Performance-Szene geworden. Heuer geht das Festival der Aktionskunst vom 2. – 7.12. bereits zum 17. Mal über die Bühne, wobei als Spielstätte das Schlachthaustheater, die Stadtgalerie, das Kunstmuseum Bern, das Fenster zur Gegenwart im Progr, die Galerie DuflonRacz und viel öffentlicher Raum miteinbezogen wird. Seit 2011 steht das Bone unter der Leitung des langjährigen Performance- und Installations-Artisten Valerian Maly. Der 55-jährige ist Kunstpreisträger der Stadt Bern und bekannt für seine «InstallActions», die Installation und Aktion verbinden.

Herr Maly, die Disziplin der Performance Art zu definieren ist ja nun nicht ganz einfach.

Ich würde zur Erklärung gerne einen Vergleich mit dem Theater ziehen. Im Unterschied zum Theater ist eine Performance meist bild- und nicht sprachbetont. Ein Performer bleibt in der Regel nicht am Text, sondern schafft Spannungen und Zustände, entwirft Bilder, oder noch genauer: Bilder hinter Bildern.
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Im Studio mit The Monofones

Wir hauen mit The Monofones in drei Tagen die neue Platte «Nuts» rein. Und so geht das:

IMG_4292Teil 10: SO 14.30h
Und zum Abschluss setzt er dann noch zu einem Wurlitzer-Gast-Solo an, unser Mischgott.
Die letzte Spur ist aufgenommen, wir räumen Flaschen weg, verfrachten Instrumente und Keuchhusti in den Kofferraum und freuen uns auf die Plattentaufe von «Nuts» am FR 3.4. im ISC Bern und am SA  11.4. im Helsinki Züri. So long, Soma, du warst gut zu uns. Ade Messi

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